In seinem neuen Stück widmet sich Tom Lanoye einem höchst aktuellen und politischen Thema: Er konfrontiert die Rhetorik und Logik der Kriegsführung mit den Stimmen der Opfer auf beiden Seiten – am Beispiel des Trojanischen Krieges.
Wenn der Feldherr Agamemnon den Krieg rechtfertigt, hat das Individuum keinen Platz, es geht um Größeres: um Vaterland, kulturelles Erbe und Wertesysteme. Gegen Agamemnon treten die Frauen an, deren Leben diese Kriegslogik im Namen der Freiheit zerstört: Troerinnen und Griechinnen gleichermaßen.
"Die Rache des Friedens", wie ATROPA im Untertitel heißt, besteht darin, dass das Gemeinwesen, für dessen Erhalt der Krieg vermeintlich unvermeidlich war, zerfällt.
"ATROPA ist, wie schon Lanoyes MAMMA MEDEA, die radikale Komprimierung und Neudeutung eines antiken Stoffes – eine moderne Tragödie. … Ausgehend vom Trojanischen Krieg erzählt Lanoye von jener rhetorisch einwandfrei begründeten Spirale aus Machtanspruch und Gewalt, die sich seit Urzeiten bis tief in unsere Gegenwart schraubt – im Namen der Freiheit, der Kultur, der Werte. … Wie Lanoye dabei unter Rückgriff auf die Rhetorik von George W. Bush und Donald Rumsfeld den hohen Ton der griechischen Tragödie mit Politikerphrasen von heute verbindet und Gegenwartssprache in Alexandriner fasst, ist von einer bezwingenden sprachlichen Kraft. Es verleiht dem Stück einen großen, poetischen Resonanzboden – da schwingt etwas Archaisches herüber, das tut seine Wirkung und hallt nach." (Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung)
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