Suche:
home impressum kontakt warenkorb
Neue Titel
Gesamtprogramm
Reihen:
Berliner Programm einer Medienwissenschaft
copyrights
Kaleidogramme
Kulturwissenschaftliche Interventionen
Literatur Forschung
Autoren
über uns
Suchbilder

Visuelle Kultur zwischen Algorithmen und Archiven

MEDlENwissenschafl 4/2005, 439f.

Wolfgang Ernst, Stefan Heidenreich, Ute Holl (Hg.): Suchbilder. Visuelle Kultur zwischen Algorithmen und Archiven Berlin: Kulturverlag Kadmos 2003 (Copyrights, Bd. 5), 176 S., ISBN 3-931659-35-6, EUR 18,50

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war die Systematisierung und Archivierung von Bildern, bewegten wie stillstehenden, kein Thema, einfach weil die Erzeugung aufwändig war und somit die Bildermenge klein blieb. Einsetzend mit der technischen Reproduzierbarkeit durch Fotografie und Film wuchs die Menge der hergestellten Bilder zunächst im überschaubaren Rahmen, denn Produktion wie Entwicklung und Verbreitung waren teuer und arbeitsintensiv. Mit Fernsehen und Video, aber vor allem mit der digitalen Manipulierbarkeit durch Internet, Photoshop und digitale Kameras wuchs die Menge vorhandener Bilder expo-nentiell. Nicht nur wurden diese jetzt digital erzeugt, das indexikalische Band zwischen Vor-Bild und Ab-Bild ist durch die Zerlegung in Pixel und die Bearbeitungsmöglichkeiten gekappt. Für alle unmittelbar und mittelbar Beteiligten an der visuellen Kultur entsteht aus der exponentiell wachsenden Bildmenge einerseits und der Möglichkeit der digitalen Bearbeitung andererseits eine Her-ausforderung, der sich der vorliegende Band (entstanden aus einem Symposion an den Berliner Kunst-Werken) stellen will.
Künstler wie Harun Farocki oder Christoph Keller, Medienwissenschaftler wie Hartmut Winkler oder Wolfgang Ernst, aber auch Computerspezialisten, Archivare und Theoretiker nähern sich in ihren Texten aus unterschiedlichen Richtungen der visuellen Kultur und der Ordnung der Bilder. Dabei ersetzt das Paradigma der Datenbank zunehmend das der Repräsentation, der Algorithmus tritt an die Stelle der Mimesis. Vielfach spielen in den Texten die militärischen Auseinandersetzungen der 90er Jahre und ihre Bildlichkeit eine Rolle: der Irak-krieg von 1991, die gewalttätigen Zerfallsprozesse im ehemaligen Jugoslawien und die blutigen Ereignisse in Somalia. So interessant und nützlich diese Essays auch sind, fällt doch umso mehr auf, welche Wasserscheide wir inzwischen passiert haben, die im Buch noch nicht zur Sprache kommt, denn die Texte stammen sämtlich aus der Zeit vor dem 11. September 2001. So findet Al-Qaidas Bilderpo-litik ebenso wenig Erwähnung wie die Kriege in Afghanistan und im Irak, so spielen die Folterbilder irakischer Gefangener ebenso wie die im Internet kursie-renden Aufnahmen von Hinrichtungen westlicher Geiseln keine Rolle. Dennoch bleibt unter dem Strich eine interessante Sammlung von Texten zu einer relevanten Fragestellung, deren einziger Wermutstropfen kleinere formale Mängel sind: In Lisa Parks' Text stimmen die Fußnoten zum Teil nicht mit den Nummern im Text überein, bei Martin Warnke gibt es zwar Ziffern im Text, doch die zugehörigen Fußnotentexte sucht man im Anhang vergeblich.

Malte Hagener (Jena)



MEDIENwissenschaft 4/2005
vf